Tätowiermittelverordnung

Seit November 2008 gibt es in Deutschland eine neue Tätowiermittelverordnung, die erstmalig in Europa, die Verwendung von intrakutan applizierten Farbstoffen regelt.
Mit der vorliegenden Verordnung dürfen Farbstoffe, an deren gesundheitlicher Unbedenklichkeit Zweifel bestehen, nicht verwendet werden. Darüber hinaus wird mit den neuen Kennzeichnungsvorschriften sichergestellt, dass alle Inhaltstoffe (ob für Tattoos oder Permanent-Make-Up) angegeben werden. Dies soll Transparenz über die Zusammensetzung der in die Haut eingebrachten Farbstoffe schaffen.

(Die Verordung online oder als PDF lesen.)

Tätowiermittelverordnung

Die deutsche Tätowiermittelverordnung wurde zum besseren Schutze der Verbraucher erlassen. Wir haben uns als Hersteller von Pigmentierfarben intensiv mit der neuen Verordnung auseinandergesetzt und die nach unserer Meinung wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Die folgenden Informationen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sollten daher nicht als rechtlich verbindliche Beratung angesehen werden.

Grundlagen und Anwendung:

  • Offizieller Name: Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen
  • Offizielle Abkürzung: Tätowiermittel-Verordnung  
  • Inoffizielle Abkürzung: TätMVO
  • Status: veröffentlicht, BGBl. 2008 Nr. 53 Seite 2215  
  • Veröffentlichung im Amtsblatt: 27.11.2008  
  • Inkrafttreten: 01.05.2009

Die Tätowiermittelverordnung ist eine Mischung aus Teilen der Europarat-Resolutionen und der deutschen Kosmetikverordnung, BGB Teil I, Nr. 67 vom 13.Oktober 1997 (2410)

Die Tätowiermittelverordnung betrifft:

  • alle Hersteller und Vertreiber von Tätowier- und Pigmentierfarben,
  • sowie auch  alle  Personen, die in Deutschland Tätowierungen oder Permanent Make-up Behandlungen durchführen.

Die Verordnung gilt für alle Tätowier- und Pigmentierfarben und regelt:

  • Mitteilungspflichten der Hersteller / Einführer
  • Kennzeichnungspflichten
  • Herstellerpflichten
  • Verbotene Inhaltsstoffe
  • Ordnungswidrigkeiten / Straftaten

Mitteilungspflichten für Hersteller und Einführer

Die Mitteilungspflichten gelten für alle Hersteller und Einführer:
Anmeldung der Firma als Hersteller oder Einführer bei der örtlich zuständigen Lebensmittel-Überwachung Übermittlung folgender Daten an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit:
  • Handelsname der Farbe
  • Inhaltsstoffe (falls möglich mit INCI Bezeichnung)
  • Prozentuale Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
  • Elektronische Einreichung (per E-Mail)

Definition: Hersteller von Farben

sind alle Unternehmen, die Farben herstellen oder für sich herstellen lassen
wer Farben im Studio mischt und aufbewahrt ist auch Hersteller

Definition: Einführer von Farben

alle, die Farben aus dem Ausland (auch EU Staaten!) beziehen, gelten als Einführer, unabhängig von der eingeführten Menge
gilt auch für Personen, die die Farben einführen, um sie für Behandlungen nutzen zu können

Definition: INCI-Bezeichnung

INCI steht für International Nomenclature Cosmetic Ingredient
Die Deklaration der Bestandteile kosmetischer Mittel hat nach den gesetzlichen Bestimmungen (§ 5a, Abs. 4 KVO) mit so genannten INCI-Bezeichnungen zu erfolgen

Kennzeichnungspflicht

Auf dem Etikett der Pigmentierflasche muss angegeben sein:
  • die Bezeichnung Pigmentierfarbe oder vergleichbare eindeutige Verkehrsbezeichnung
  • die Chargennummer
  • die Adresse des deutschen Herstellers oder Einführers
  • alle Inhaltsstoffe – absteigend nach Gewicht
  • das Mindesthaltbarkeitsdatum wenn die Farbe weniger als 30 Monate haltbar ist
  • die Verwendungsdauer nach dem ersten Öffnen
  • die Farbstoffe sind mit CI-Nummern anzugeben (Bsp.: CI 74160)

Definition: Angabe der Inhaltsstoffe

Inhaltsstoffe werden bei kosmetischen Produkten in abnehmender Reihenfolge, entsprechend ihrer Konzentration aufgeführt

Definition: CI-Nummern

Der Colour Index (kurz C.I.) ist ein seit 1925 existierendes Nachschlagewerk aller gebräuchlichen Farbmittel und Farbstoffbasis-Chemikalien.
Farbstoffe, die in kosmetischen Mitteln enthalten sind, werden am Ende der Auflistung der Inhaltsstoffe mit ihren CI-Nummern aufgeführt.
Der Colour Index unterscheidet generell zwischen Farbstoffen und Pigmenten. Bezüglich der enthaltenen Menge ist keine Reihenfolge der Auflistung vorgeschrieben

Herstellerpflichten

Der Hersteller muss nach den Grundsätzen der "Guten Herstellungspraxis" arbeiten.
Dies bedeutet:
  • das Produkt muss so sauber als möglich produziert werden
  • es muss eine chargenbezogene Dokumentation erfolgen
  • es müssen Gutachten zur Sicherheit des Produktes vorliegen (nicht öffentlich)

Verbotene Inhaltsstoffe in Pigmentierfarben

Folgende Inhaltsstoffe dürfen nicht enthalten sein:
  • Gesundheitsgefährdende Stoffe (nach Anlage 1 der Kosmetikverordnung vom 18.09.2008)
  • Kosmetikpigmente mit eingeschränktem Anwendungsbereich (nach Anlage 3 A Kosmetikverordnung vom 18.09.2008)
  • Farbstoffe, die krebserzeugende aromatische Amine abspalten können oder diese enthalten
  • andere gesundheitlich bedenkliche Farbstoffe  (nach Anlage 2 der Tätowiermittel-Verordnung)
  • Para-Phenylendiamin und dessen Sulfate und Chloride

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